01 · Marktzahlen
Was BSW-Solar für die ersten neun Monate 2026 meldet
In den ersten neun Monaten 2026 gingen nach Angaben des BSW-Solar über eine halbe Million neue Batteriespeicher mit rund 8,2 Gigawattstunden (GWh) in Betrieb. Die neu installierte Speicherkapazität lag damit 91 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband einen Zubau von deutlich über zehn GWh. Grundlage ist das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur mit Stand 12. Oktober 2026; Nachmeldungen können die Werte noch erhöhen.
Zubau von Batteriespeichern nach Segment, erste neun Monate 2026
| Segment |
Zubau |
Veränderung zum Vorjahreszeitraum |
| Großspeicher |
rund 3,8 GWh |
mehr als vervierfacht (rund +350 %) |
| Heimspeicher |
3,2 GWh |
+20 % |
| Gewerbespeicher |
rund 0,7 GWh |
+67 % |
| Kleinstspeicher |
rund 0,5 GWh |
+33 % |
| Gesamt |
rund 8,2 GWh |
+91 % |
Zwei Dinge gehören zur Einordnung. Gewerbespeicher wachsen kräftig, machen mit rund 0,7 GWh aber nur gut acht Prozent der neuen Kapazität aus; den größten Anteil liefern Großspeicher mit etwa der Hälfte. Und die Meldung nennt keine Gründe für das Wachstum im gewerblichen Segment. Aus der Zahl lässt sich deshalb vor allem eines ableiten: Mehr installierte Kapazität bedeutet mehr Planungsfälle, und jeder Betrieb bringt ein eigenes Verbrauchsprofil mit.
Quelle: BSW-Solar: Pressemitteilung zum Batteriespeicher-Zubau, 22.10.2026, abgerufen am 27.10.2026. Die Segmentgrenzen nennt die Meldung nicht.
02 · Auslegung
Warum die größte Kapazität nicht automatisch die beste Lösung ist
Ein Speicher hat zwei Kenngrößen mit unterschiedlichen Aufgaben: Die Kapazität bestimmt, wie viel Energie sich verschieben lässt. Die Leistung bestimmt, wie schnell geladen und entladen werden kann, zum Beispiel um Lastspitzen zu kappen. Beide müssen zum Betrieb passen.
Ein Speicher nimmt nur Strom auf, der zu bestimmten Zeiten übrig ist, und gibt ihn zu anderen Zeiten wieder ab. Fällt der Verbrauch ohnehin überwiegend tagsüber an, bleibt wenig zum Verschieben. Ein großer Speicher wäre dort selten ausgelastet, kostet aber jede zusätzliche Kilowattstunde Kapazität. Auslegen heißt deshalb abwägen, wie Erzeugung, Verbrauch und Speichernutzung zusammenpassen.
Kapazität ist nicht gleich Nutzen
Die passende Speichergröße ergibt sich aus Erzeugungsprofil, Lastprofil, Eigenverbrauchsanteil und Wirtschaftlichkeit gemeinsam, nicht aus einer dieser Größen allein. Das ist eine Planungsableitung der Redaktion, keine pauschale Faustformel.
Mit der MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur kommt eine weitere Frage hinzu, nämlich wie der Speicher betrieben wird. Wie das den Planungsansatz verändert, beschreibt unser Beitrag dazu, warum Batteriespeicher durch MiSpeL eine Betriebsstrategie bekommen.
03 · Lastprofil
Warum der echte Lastgang entscheidet
Die Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin hat auf Basis von 150 elektrischen Lastprofilen für sechs Branchen typische Verläufe identifiziert. Sie unterscheiden sich im Tages-, Wochen- und Monatsverlauf deutlich. Die Messdaten der sechs betrachteten Objekte stammen aus den Jahren 2017 und 2019, ihr Jahresverbrauch lag zwischen 38 und 317 MWh.
Typische Verbrauchsmuster nach Branche laut HTW Berlin
| Branche |
Typischer Verlauf |
| Hotel |
höchste Stromnachfrage in den späten Abendstunden, nur geringe Unterschiede zwischen den Wochentagen |
| Bäckerei |
produktionsbedingt größter Strombedarf in den Nachtstunden |
| Lebensmittelmarkt |
tagsüber höherer Bedarf als nachts, geringe Nachfrage an Sonn- und Feiertagen, im Sommer wegen der Kühlung mehr Verbrauch |
| Produktionsbetrieb |
tagsüber höherer Bedarf als nachts, am Wochenende in der Regel geringer, Abweichungen in den Betriebsferien |
| Milchviehbetrieb |
Verbrauchsspitzen zu den Melkzeiten am Vormittag und Abend |
Zwei Betriebe mit gleichem Jahresverbrauch können deshalb sehr unterschiedlichen Speicherbedarf haben. Entscheidend ist, wann der Strom gebraucht wird und wann die PV-Anlage ihn erzeugt. Auch innerhalb einer Branche streut es: In der HTW-Simulation von 35 Lebensmittelmärkten deckte eine 100-kWp-Anlage ohne Speicher je nach Jahresverbrauch zwischen 18 und 34 Prozent des Strombedarfs zeitgleich.
Wie groß der Abstand zwischen Annahme und Messung werden kann, zeigt ein Beispiel aus einem Gastbeitrag auf Solarserver: Für eine Schule ergab das Standardlastprofil eine Eigenverbrauchsquote von 64 Prozent, der echte Lastgang nur 42 Prozent. Der Autor gründete einen Anbieter von Auslegungssoftware, und das Beispiel steht für einen Einzelfall, nicht für eine Marktstatistik. Es zeigt aber, warum eine Rechnung auf dem tatsächlichen Verbrauch aufbauen sollte. Für die Lastspitzenkappung gilt das noch stärker: Es zählen Dauer, Häufigkeit und zeitliche Verteilung der Spitzen, nicht nur ihre Höhe.
Wo ein Zähler zur registrierenden Leistungsmessung (RLM-Zähler) vorhanden ist, liegen laut HTW Berlin viertelstündlich aufgelöste Messdaten vor. Sie lassen sich für eine simulationsbasierte Analyse des solaren Eigenverbrauchs nutzen.
Quellen: HTW Berlin: „Auslegung von Solarstromspeichern im Gewerbe“ (Weniger, Zoll, Buhr Sepúlveda, Quaschning; elektro.net 19/2021) und Solarserver: „Gewerbespeicher: Acht häufige Fehler bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung“ (Gastbeitrag von Lennart Wittstock, 01.04.2026), abgerufen am 27.10.2026. Die HTW-Daten stammen von 2017 und 2019 und belegen das Prinzip, keine aktuellen Marktwerte.
04 · Wirtschaftlichkeit
Was in die Wirtschaftlichkeitsrechnung gehört
Rechnungen für Gewerbespeicher scheitern selten an der Mathematik, sondern an unvollständigen Annahmen. Der genannte Gastbeitrag auf Solarserver beschreibt acht typische Fehler. Fünf davon lassen sich direkt in der Planung vermeiden:
- Vermiedene Kosten vollständig ansetzen. Neben dem Energiepreis gehören laut Beitrag Stromsteuer, Umlagen, der Arbeitspreis des Netzentgelts und teilweise die Konzessionsabgabe zu den vermiedenen Kosten.
- Entgangene Einspeisevergütung berücksichtigen. Jede Kilowattstunde, die der Speicher für den Eigenverbrauch bereithält, kann nicht eingespeist werden. Das wird übersehen, wenn PV und Speicher in getrennten Rechnungen stehen.
- Erlöse nicht einfach addieren. Eigenverbrauch und Lastspitzenkappung konkurrieren um dieselbe Kapazität und dieselben Zeitfenster. Für die Spitzenkappung empfiehlt der Beitrag, dauerhaft einen festen Kapazitätsanteil zu reservieren.
- Eine saubere Vergleichsbasis wählen. Bei dynamischen Tarifen darf dem Speicher nur die Netto-Ersparnis zugerechnet werden, nicht der Vorteil des Tarifwechsels.
- Annahmen dokumentieren und Szenarien rechnen. Netzentgelte und Preise ändern sich. Transparente Annahmen und mehrere durchgerechnete Szenarien machen die Rechnung belastbar.
Wie sich die Erlöse neuer PV-Anlagen nach dem Regierungsentwurf zum EEG 2027 verändern sollen, fasst unser Beitrag zusammen, wie das EEG 2027 die Erlöse neuer PV-Anlagen verändert. Preise, Amortisationszeiten und Renditen nennt dieser Beitrag bewusst nicht: Sie hängen von Tarif, Lastgang und Anlage des einzelnen Betriebs ab.
Quelle: Solarserver, Gastbeitrag vom 01.04.2026, abgerufen am 27.10.2026. Die Checkliste ist eine redaktionelle Zusammenfassung.
05 · Datenbasis
Welche Planungsdaten belastbare Varianten brauchen
Je mehr Komponenten zusammenwirken, desto weniger tragen Faustformeln. Belastbar werden Varianten erst, wenn die Eingangsdaten stimmen und die Annahmen nachvollziehbar dokumentiert sind.
Was Planer und Fachbetriebe zusammentragen sollten
- Lastgang. Viertelstundenwerte aus dem RLM-Zähler oder zumindest belastbare tageszeitliche Verbrauchsdaten, nicht nur den Jahresverbrauch.
- Dach und Gebäude. Nutzbare Dachflächen, Ausrichtung und Verschattung als Grundlage des Erzeugungsprofils.
- Ertrag. Standortabhängige, zeitlich aufgelöste Erzeugungswerte statt einer Jahressumme.
- Tarif und Preisstruktur. Arbeitspreis, Netzentgelte und gegebenenfalls Leistungspreis sowie die Frage, ob die Anlage Strom einspeist oder nur selbst nutzt.
- Speichervarianten. Kapazität und Leistung getrennt betrachten und mehrere Größen gegenüberstellen, statt nur eine zu empfehlen.
- Zusätzliche Verbraucher. Wärmepumpe, Ladeinfrastruktur oder neue Maschinen, die das Lastprofil verändern.
Kommen Wärmepumpe oder Ladeinfrastruktur hinzu, verändert sich das Lastprofil des Betriebs. Wie sich PV, Speicher und Wärmepumpe in der richtigen Reihenfolge planen, beschreibt unser Beitrag zum Gebäude als Energiesystem.
Der Hottgenroth PV-Planer setzt an dieser Datenbasis an: Er plant die Anlage am 3D-Gebäudemodell mit Dach-Schnellerfassung und integriertem HottCAD-Modul, simuliert den PV-Ertrag stundenweise mit standortabhängigen Wetterdaten und importiert Lastgänge als CSV-Datei. Mit editierbaren Datenbanken für Module, Wechselrichter und Batteriespeicher lassen sich Elektromobilität und Batteriespeicher berücksichtigen. Die Wirtschaftlichkeit berechnet er nach VDI 2067 mit Risikoanalyse, variabler Finanzierungsberechnung und Amortisationsdarstellung. Welche Speichergröße zu welchem Lastgang passt, bleibt eine Planungsentscheidung, die sich mit mehreren dokumentierten Annahmen absichern lässt.
Quelle: Produktbeschreibung des PV-Planers auf hottgenroth.de, abgerufen am 27.10.2026.
06 · Häufige Fragen
Häufige Fragen zu Gewerbespeichern und PV-Planung
Wie stark ist der Gewerbespeichermarkt 2026 gewachsen?
Laut BSW-Solar stieg der Zubau von Gewerbespeichern in den ersten neun Monaten 2026 um 67 Prozent auf rund 0,7 GWh. Stand ist das Marktstammdatenregister am 12. Oktober 2026, Nachmeldungen können die Werte noch erhöhen. Insgesamt wuchs der Speicherzubau um 91 Prozent auf rund 8,2 GWh, getrieben vor allem von Großspeichern.
Wie groß sollte ein Gewerbespeicher sein?
Eine pauschale Größe gibt es nicht. Maßgeblich sind das Erzeugungsprofil der PV-Anlage, der Lastgang des Betriebs, der Eigenverbrauchsanteil und die Wirtschaftlichkeit, die gemeinsam betrachtet werden. Wie unterschiedlich Lastprofile ausfallen, zeigt die Auswertung der HTW Berlin: Hotels, Bäckereien, Lebensmittelmärkte und Produktionsbetriebe verbrauchen ihren Strom zu völlig verschiedenen Tageszeiten.
Brauche ich für die Auslegung einen echten Lastgang?
Für eine belastbare Planung ja, wenn er verfügbar ist. Wo ein RLM-Zähler vorhanden ist, liegen Viertelstundenwerte vor. Standardprofile können deutlich abweichen: In einem Beispiel ergab das Standardprofil 64 Prozent Eigenverbrauchsquote, der echte Lastgang nur 42 Prozent. Die Lastspitzenkappung lässt sich ohne echten Lastgang nicht seriös bewerten.
07 · Nachweise
Quellen und fachliche Einordnung
Alle Quellen wurden am 27.10.2026 abgerufen. Die Hinweise zur Auslegung, die Tabelle zu den Branchenprofilen und die Checklisten sind redaktionelle Zusammenfassungen und Ableitungen und ersetzen keine Anlagenplanung oder Beratung im Einzelfall.