01 · Die Meldung
Was Fraunhofer ISE mit Heat Pump PlanAR vorgestellt hat
Die Anwendung richtet sich an Betriebe aus Sanitär, Heizung und Klima und ist für den Einsatz auf einem Tablet gedacht. Beim Termin vor Ort erfasst sie den Heizungsraum per 3D-Scan. Anschließend wählen die Fachkräfte ein passendes Anlagenschema aus einer Datenbank. Das System platziert die Hauptkomponenten automatisch im gescannten Raum und berechnet eine kostenoptimierte Verrohrung. Per Augmented Reality lässt sich das Ergebnis direkt im Raum betrachten und anpassen, per Virtual Reality auch nachträglich vom Schreibtisch aus.
Nach Angaben von Fraunhofer ISE lassen sich so verschiedene Anlagen-, Verrohrungs- und Aufstellungsvarianten einer Wärmepumpe bereits beim ersten Kundenbesuch durchspielen. Am Ende exportiert die App eine Stückliste der benötigten Materialien und eine Prognose der Installationszeit. Neu ist dabei weniger der einzelne Arbeitsschritt als die Bündelung: Aufnahme, Auslegung und Montagevorbereitung laufen in einer Anwendung statt in mehreren.
Wichtig für die Einordnung: Heat Pump PlanAR ist ein Forschungsprototyp und kein fertiges Produkt für Handwerksbetriebe. Einzelne Funktionen, etwa die Positionsoptimierung von Komponenten und das Autorouting der Verrohrung, bietet Fraunhofer ISE als lizenzierbare Webservices an. Softwareanbieter können die App oder einzelne Bausteine in ihre Lösungen integrieren und weiterentwickeln.
Das Forschungsprojekt WESPE dahinter
Der Prototyp ist ein Ergebnis des Verbundprojekts WESPE, kurz für „Wärmepumpen-Einbau schneller, produktiver und effizienter“. Unter Leitung des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) haben Fraunhofer IBP, Fraunhofer ISE, die Hans Schramm GmbH, die SHK-Innung Berlin und 15 Handwerksbetriebe seit Oktober 2023 untersucht, wo sich Planung, Installation und Inbetriebnahme verbessern lassen. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
Ein Befund war für die Entwicklung der App ausschlaggebend: Eine Mehrzahl der Betriebe wünschte sich laut Fraunhofer ISE ein einzelnes, integratives Werkzeug für den gesamten Installationsprozess, um zeitaufwendige Datenübertragungen zwischen verschiedenen Anwendungen zu vermeiden.
Zeit ist der Engpass, nicht die Nachfrage
Frank Senger, Vizepräsident des ZVSHK, fasst die Ausgangslage so zusammen: „Uns fehlt nicht die Arbeit. Knapp ist vor allem die Zeit unserer Fachkräfte.“ Es gehe nicht darum, dass die Beschäftigten noch schneller arbeiten, sondern darum, unnötige Wege und Wartezeiten zu vermeiden.
Quellen: Fraunhofer ISE, Pressemitteilung vom 22.09.2026 und ZVSHK, Pressemitteilung vom 21.09.2026, abgerufen am 30.09.2026.
02 · Der Engpass
Die Nachfrage bleibt hoch – knapp ist die Planungszeit
Wie groß der Druck auf die Betriebe ist, zeigen die aktuellen Förderzahlen. Nach Daten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, über die Solarserver am 22. September 2026 berichtete, hat die KfW im Juli 2026 mehr als 47.000 und im August gut 46.000 Heizungsförderungen bewilligt. Auf Wärmepumpen entfielen im Juli mehr als 44.000 und im August über 43.000 Bewilligungen.
Der Juli ist dabei mit Vorsicht zu lesen: Viele Antragstellende wollten die bisherigen Konditionen vor der Umstellung am 21. Juli 2026 noch nutzen. Aussagekräftiger ist deshalb der August, der erste vollständige Monat unter den neuen Bedingungen. Er zeigt keinen Einbruch, sondern eine weiterhin hohe Nachfrage nach Wärmepumpen.
Jede dieser Anlagen braucht eine belastbare Heizlast, eine passende Geräteauswahl und einen dokumentierten Abgleich des Heizungsverteilsystems. Welche Anforderungen die Förderung dabei stellt, erklärt der Beitrag zum hydraulischen Abgleich als Fördervoraussetzung. Für den Betrieb heißt das: Mehr Projekte bedeuten nicht nur mehr Montage, sondern auch mehr Aufnahme-, Rechen- und Dokumentationsarbeit pro Auftrag.
Genau hier setzt WESPE an. Der ZVSHK sieht die Zeitgewinne nicht in schnellerem Arbeiten, sondern im Vermeiden unnötiger Wege, Wartezeiten und Doppelarbeit sowie in besserer Planung und digitalen Abläufen.
Quellen: Solarserver zu den BEG-Bewilligungen im Juli und August 2026 und ZVSHK zu den WESPE-Ergebnissen, abgerufen am 30.09.2026.
03 · Übergabestellen
Wo Insellösungen im Wärmepumpenprojekt Zeit kosten
Ein Wärmepumpenprojekt im Bestand durchläuft mehrere Stationen: Aufnahme vor Ort, Heizlast, Geräteauswahl und Aufstellung, Wärmeverteilung und hydraulischer Abgleich, Material, Angebot und Montageplanung. Werden diese Stationen mit getrennten Programmen, Tabellen oder handschriftlichen Notizen bearbeitet, stellt sich an jeder Übergabe dieselbe Frage: Welche Daten müssen erneut eingegeben werden, und welche Version ist die aktuelle?
Die folgende Übersicht fasst zusammen, wo solche Brüche typischerweise entstehen und was ein durchgängiger Datenfluss dort ändert. Sie beschreibt die Planungslogik, keine gemessenen Zeitwerte.
Typische Übergabestellen im Wärmepumpenprojekt und was durchgängige Daten dort ändern
| Übergabestelle |
Typischer Bruch zwischen Einzelprogrammen |
Was durchgängige Daten ändern |
| Aufnahme vor Ort |
Maße, Fotos und Notizen werden im Büro in ein Planungsprogramm übertragen |
Das Aufmaß wird direkt zur Berechnungsgrundlage |
| Heizlast |
Räume und Bauteile werden für die Berechnung ein zweites Mal angelegt |
Die raumweise Heizlast entsteht aus dem erfassten Gebäudemodell |
| Geräteauswahl und Aufstellung |
Herstellerdaten werden aus Datenblättern abgetippt, Aufstellort und Schallsituation separat geprüft |
Gerätedaten liegen im einheitlichen Format vor, Varianten werden am selben Modell verglichen |
| Abgleich und Rohrnetz |
Raumlasten und Heizflächen werden für den hydraulischen Abgleich erneut eingegeben |
Volumenströme und Einstellwerte bauen auf den berechneten Raumlasten auf |
| Material und Angebot |
Mengen werden aus der Planung ausgezählt und ins Angebot übertragen |
Massen und Positionen gehen aus der Planung direkt ins Angebot über |
Jeder einzelne Bruch wirkt klein. Über viele Projekte hinweg bindet er jedoch Planungszeit, und jede erneute Eingabe ist eine zusätzliche Fehlerquelle. Der Wunsch der WESPE-Betriebe nach einem integrativen Werkzeug zielt deshalb weniger auf Komfort als auf Kapazität.
Die technische Auslegungsreihenfolge selbst, von der Gebäudeaufnahme über Heizlast und Wärmeverteilung bis zu PV, Speicher und Tarifszenarien, beschreibt der Beitrag zur technischen Planungsreihenfolge von der Heizlast bis zur Betriebsstrategie. Hier geht es um die Frage davor: wie die Daten ohne Mehrfacherfassung von einer Station zur nächsten gelangen.
04 · Erstbesuch
Varianten schon beim ersten Kundenbesuch prüfen
Der erste Termin beim Kunden entscheidet früh über den weiteren Aufwand. Wo steht die Außeneinheit? Wie werden die Leitungen vom Aufstellort in den Heizungsraum geführt? Passt das gewählte Anlagenschema in den vorhandenen Raum, oder muss umgeplant werden? Werden diese Fragen erst im Büro geklärt, folgen oft Rückfragen, ein zweiter Termin oder ein überarbeitetes Angebot.
Diesen Schritt adressiert Heat Pump PlanAR mit dem Durchspielen von Anlagen-, Verrohrungs- und Aufstellungsvarianten vor Ort. Der Grundgedanke gilt unabhängig vom Werkzeug: Je mehr Entscheidungen beim Erstbesuch auf einer belastbaren digitalen Aufnahme getroffen werden, desto weniger Nacharbeit entsteht zwischen Angebot und Montage.
Zum Aufstellort gehört auch der Schall. Dabei sind zwei Ebenen zu trennen: Die Förderfähigkeit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe hängt am deklarierten Schallleistungspegel des Geräts, die Situation beim Nachbarn dagegen am konkreten Aufstellort. Wie beides zusammenhängt, erklärt der Beitrag zu Schallschutz und Förderfähigkeit der Außeneinheit. Wer diese Prüfung in den Erstbesuch zieht, vermeidet, dass ein bereits kalkuliertes Gerät später ersetzt werden muss.
05 · Produktdaten
Herstellerdaten nach VDI 3805: die unterschätzte Datenbasis
Eine Übergabestelle wird oft unterschätzt: die Gerätedaten. Leistungsdaten, Abmessungen, Anschlüsse oder Schallwerte stehen in Datenblättern und werden häufig von Hand in Berechnungs- und Planungsprogramme übernommen. Das kostet Zeit und ist fehleranfällig.
Für diesen Austausch gibt es mit der Richtlinienreihe VDI 3805 ein hersteller- und systemunabhängiges Datenformat. Blatt 22 regelt seit 2019 die Bereitstellung der Katalogdaten für Wärmepumpen. Neu ist, dass der ZVSHK im Zuge von WESPE seine Datenplattform Open Datapool weiterentwickelt, sodass künftig auch VDI-3805-Daten nach Blatt 22 recherchier- und abrufbar werden.
Für die Praxis bedeutet das: Gerätedaten lassen sich im einheitlichen Format übernehmen, statt sie aus Datenblättern abzuschreiben. Voraussetzung ist, dass Hersteller die Daten bereitstellen und die eingesetzte Software sie verarbeiten kann. Beides sollten Betriebe bei der Auswahl ihrer Werkzeuge gezielt prüfen.
Quellen: VDI 3805 Blatt 22 und ZVSHK zum Open Datapool, abgerufen am 30.09.2026.
06 · Praxis
Was SHK-Betriebe jetzt tun können
- Eigene Abläufe einschätzen. Mit dem WESPE-Check des ZVSHK können Betriebe ihre Prozesse beim Wärmepumpeneinbau selbst einschätzen, laut Fraunhofer ISE kostenfrei. Eine ergänzende Wissensplattform mit interaktiver Prozessgrafik hat Fraunhofer ISE für den 5. Oktober 2026 angekündigt.
- Übergabestellen zählen. An einem abgeschlossenen Projekt nachvollziehen, wie oft dieselben Gebäude-, Raum- und Gerätedaten eingegeben wurden und in welchen Programmen.
- Aufnahme berechnungsfähig anlegen. Das Aufmaß so strukturieren, dass Heizlast und weitere Berechnungen direkt darauf aufsetzen, statt Räume im Büro neu zu zeichnen.
- Aufstellung und Schall in den Erstbesuch ziehen. Aufstellort, Leitungsführung und Geräteauswahl früh festlegen und so dokumentieren, dass die Planung darauf zugreifen kann.
- Material und Angebot aus der Planung ableiten. Massen und Positionen aus der Planung übernehmen, statt sie auszuzählen und erneut einzugeben.
Wie ein durchgängiger Ablauf mit Hottgenroth-Software aussieht
Einen durchgängigen Ansatz verfolgt der ETU-Planer: Über eine einheitliche Gebäudeaufnahme mit HottCAD lassen sich viele Berechnungen mit nur einer Erfassung anstoßen. Dazu gehören die Heizlastberechnung nach DIN/TS 12831-1, der hydraulische Abgleich im Bestand mit Optimus, der Wärmepumpen-Berater, die Rohrnetzberechnung Heizung sowie Massenauszüge, Montagepläne und eine integrierte Angebots- und Ausschreibungslösung. Das ersetzt keine fachliche Entscheidung vor Ort, verringert aber die Zahl der Stellen, an denen Daten erneut eingegeben werden müssen.
07 · Häufige Fragen
Häufige Fragen zu digitalen Workflows in der Wärmepumpenplanung
Können SHK-Betriebe Heat Pump PlanAR schon nutzen?
Heat Pump PlanAR ist laut Fraunhofer ISE ein Prototyp aus dem Forschungsprojekt WESPE und kein fertiges Produkt für Handwerksbetriebe. Einzelne Funktionen wie Positionsoptimierung und Autorouting stehen Softwareanbietern als lizenzierbare Webservices zur Verfügung. Ob und wann sie in marktreifen Anwendungen erscheinen, hängt von diesen Anbietern ab.
Was ist der WESPE-Check?
Der WESPE-Check ist ein Angebot des ZVSHK, mit dem SHK-Betriebe ihre Prozesse beim Wärmepumpeneinbau selbst einschätzen können. Er ist ein Ergebnis des Forschungsprojekts WESPE und soll zeigen, an welchen Stellen sich Abläufe verbessern lassen. Erreichbar ist er über die WESPE-Seite des ZVSHK.
Was regelt VDI 3805 Blatt 22?
VDI 3805 Blatt 22 beschreibt ein hersteller- und systemunabhängiges, einheitliches Datenformat für die Katalogdaten von Wärmepumpen. Damit lassen sich Gerätedaten aus Herstellerkatalogen in Planungs- und Berechnungsprogramme übernehmen, statt sie aus Datenblättern abzuschreiben. Die Richtlinie ist seit März 2019 veröffentlicht.
08 · Nachweise
Quellen und fachliche Einordnung
Alle Quellen wurden am 30.09.2026 abgerufen. Heat Pump PlanAR ist ein Forschungsprototyp; die Angaben zu seinen Funktionen beruhen auf der Pressemitteilung von Fraunhofer ISE. Die Förderzahlen sind Monatswerte nach Daten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Die Übersicht der Übergabestellen beschreibt eine allgemeine Planungslogik und keine gemessenen Zeitersparnisse.